Igel im Garten – Spannendes über Ihre stacheligen Freunde
- 17. Dezember 2021
- 0 Comment
Igel sind unverwechselbar. Diese laufenden Stachelkugeln sind gern gesehene Mitbewohner unseres Gartens. Wenn sie sich abends auf Nahrungssuche machen, sich stöbernd und schnaufend durch das Unterholz bewegen, dann ist das immer ein besonderes Erlebnis.
Meistens sind sie unscheinbar, da man sie tagsüber nur äußerst selten zu Gesicht bekommt und sie in der Nacht heimlich von Hecke zu Gebüsch tapsen. Was in ihnen steckt, wie sie leben und welche Hindernisse auf sie warten, ist vielen Menschen nicht bekannt.
Wir möchten Ihnen in diesem Beitrag von diesem drolligen und heldenhaften Stachelritter erzählen. In diesem Artikel werden Sie hoffentlich viel Interessantes über Igel erfahren. Wir möchten Ihnen zeigen, wie Sie Igeln helfen können, damit Ihr stacheliger Gartenbewohner gesund und munter durchs Jahr kommt. Auf dass Ihnen Ihr Freund noch lange viel Freude bereitet.
Igel sind keine Vegetarier, sondern ausgesprochene Fleischfresser. In freier Wildbahn besteht ihr natürlicher Speiseplan aus unterschiedlichsten wirbellosen Tieren wie Insekten und deren Larven, Schnecken, Regenwürmern, Tausendfüßlern oder Spinnen. Auch Aas, Frösche, Kröten, Mäuse oder Vogeleier werden nicht verschmäht.
Da ihr Verdauungssystem auf fleischliche Kost ausgelegt ist, haben Igel Probleme mit Früchten, Gemüse oder Nüssen. Diese können sie nicht fressen, wobei sie in bestimmten Situationen Obst oder Wurzeln als Flüssigkeitszufuhr zu sich nehmen. Doch diese werden zum Großteil unverdaut wieder ausgeschieden.
Ihr Bedarf an Flüssigkeit wird hauptsächlich über die Nahrung gedeckt. Was sie zusätzlich benötigen, erhalten die stachligen Vierbeiner über Wasser. Eine Trinkschale können Sie daher gerne auch aufstellen.
Manche Menschen geben ihren Schützlingen auch Milch zu trinken. Das ist aber gedankenlos und fahrlässig. Igel vertragen keine Milch, sie bekommen Magenkrämpfe und Durchfall davon. Also: Bitte geben Sie Ihren stacheligen Freunden keine Milch.
Ein Igel-Jahr ist stark geprägt vom Winter. Diese frostige Zeit wird über fünf Monate lang schlafend verbracht. Das zehrt an Substanz und muss im Laufe des Jahres wieder angefressen werden.
Mit ansteigenden Temperaturen im Frühjahr beginnt auch das Igeljahr. Wenn es draußen länger über zehn Grad Celsius warm ist, dann erwachen sie. Zuerst die Männchen im März; etwas später werden im April auch die Lebensgeister der Weibchen geweckt.
Nach fünf bis sechs Monaten Winterschlaf haben Igel bis zu 30 % Körpergewicht verloren, sind abgemagert und äußerst hungrig. Jetzt muss gefressen werden was sich finden lässt. Doch ihre Hauptnahrung Insekten, Würmer und Schnecken sind auch noch nicht so freudig unterwegs. Deshalb können Sie ihren Gartengast zu dieser Zeit gerne mit geeigneter Nahrung zufüttern.
Jetzt wird Energie benötigt, denn die Paarungszeit steht an. Von Mitte April bis Ende August begeben sich die einzelgängerischen Männchen auf die Suche nach einem Igelweibchen. Manchmal müssen in der Nacht mehrere Kilometer hinter sich gebracht werden, bis ein Weibchen gefunden ist. Dann beginnt das „Igelkarussell“: das Männchen umkreisen das Weibchen, wird aber oft wieder weggestoßen. Bis es endlich so weit ist, können Stunden vergehen.
Wenn es aber mit der Paarung geklappt hat, dann geht das Interesse auf beiden Seiten verloren. Sie trennen sich wieder. Das Weibchen widmet sich der Schwangerschaft, das Männchen streift nahrungs- und partnersuchend umher.
Igel sind alleinerziehend, nur die Mutter kümmert sich um den Nachwuchs. Dieser kommt nach einer Tragzeit von ca. 35 Tagen im August bis September zur Welt (in warmen Regionen teilweise sogar im Juni, Juli) — Augen und Ohren noch geschlossen aber mit weichen, weißen Stacheln. Jetzt ist Muttermilch angesagt, um schnellstens groß und stark zu werden. Erst nach drei Wochen machen sich die Kleinen das erste Mal mit ihrer Mutter auf Nahrungssuche.
Und schon im September, nach sechs Wochen Betreuung durch die Mutter, heißt es Abschied nehmen. Jetzt gehen die Jungtiere ihre eigenen Wege. Es wird kälter, die Energiereserven müssen gefüllt werden, ein Fettpolster muss her. Zu dieser Zeit heißt es für alle Igel: fressen, fressen, fressen. Der Winter naht, aber der Tisch ist glücklicherweise noch reichlich gedeckt.
Doch je später es im Jahr ist, desto seltener werden Igel jetzt noch fündig. Immer weniger Insekten und andere Wirbellose sind noch da, sie sterben oder verkriechen sich. Zusätzliche frostige Temperaturen zeigen den Igeln an, dass es Zeit ist sich ein Winterquartier zu suchen. Aus Instinkt und Erfahrung machen sich ältere Tiere schon frühzeitig auf die Suche nach einem Versteck. Jüngere Igel und noch nicht ausreichend genährte Igelmütter nutzen aber noch jede Gelegenheit, um dick und fett zu werden.
Ein gut isolierendes, wettergeschütztes Nest zu finden und zu bauen ist eine Kunst. Die muss gelernt werden. Fündig werden sie in Hecken, Sträuchern, Laub‑, Holz- und lockeren Steinhaufen. Ist das Nest nicht gut gewählt, dann können Igel die kalte Winterzeit nicht überstehen. Da junge Igel unerfahren sind, wird ihnen die Kälte sehr oft zum Verhängnis.
Ist ein Winterquartier gefunden, dann machen es sich die Igel gemütlich und gehen in den Winterschlaf. Männchen rollen sich schon Anfang November zusammen, erst ein paar Wochen danach folgen die Weibchen und Jungtiere. Jetzt heißt es auf Sparflamme zu gehen und die Körperfunktionen drastisch zu reduzieren. Körpertemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz werden erheblich verringert. Nur gelegentlich und nur für kurze Zeit wachen Igel aus dieser Schlafphase auf.
Wenn diese frostige Zeit schlafend überstanden wurde, dann beginnt im Frühling ein neues Igeljahr.
Diese Frage ist wirklich einfach zu beantworten: Igel sind wichtige und nützliche Helfer in Ihrem Garten. Wenn ein Igel Ihren Garten auf Nahrungssuche durchstreift, dann können Sie sich glücklich schätzen. Denn Igel sind äußerst verfressen und lieben fleischliche Kost. Das macht sie zu besonders guten Schädlingsbekämpfern. Dagegen rühren sie Obst, Gemüse oder andere Pflanzen in Ihrem Garten eigentlich nie an. Sie werden sich für Igel begeistern!
Igel vertilgen mit Genuss Käfer und deren Larven (Engerlinge), schleimige Schnecken, Raupen, Würmer und viele andere Insekten. Gerade Nacktschnecken und bestimmte Engerlinge sind unerfreuliche Schädlinge im Garten. Zum Beispiel fressen Nacktschnecken gerne frisches Grün Salat, Kohl, die Blätter von Erdbeeren, Kartoffeln oder Meerrettich sowie Kräuter (Petersilie, Basilikum).
Die im Boden lebenden Engerlinge sind ebenfalls bedeutende Schädlinge im Garten und ernähren sich von Pflanzen-Wurzeln. Gerade die gefräßigen Larven von Maikäfer, Junikäfer, Gartenlaubkäfer und Dickmaulrüssler sind im Garten nicht gerne gesehen.
Und genau diese Schädlinge stehen auf dem Speiseplan des Igels. Aber auch andere tote Tiere (Aas) werden von Igeln ganz schnell verspeist. So bleibt kein Aas in Ihrem Garten liegen.
Zusätzlich wühlen Igel auf ihrer Nahrungssuche die Erde mit ihrer Schnauze auf. Das sorgt für eine super Belüftung des Erdreichs. Deshalb sind Igel für Sie wirkliche Helfer bei Ihrer Gartenarbeit: Schädlingsbekämpfer, Abfallbeseitiger und Gartenpfleger.
Igel im Garten zu füttern, ist unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll. Folgendes sollten Sie über die Fütterung von Igeln wissen.
Winterzeit ist für Igel Schlafenszeit. Doch woran merken Igel, dass es jetzt Zeit für den Winterschlaf ist? Die Antwort ist einfach: Kälte und Nahrungsmangel zeigen Igeln, dass der Winter kommt. Insekten und anderes wirbelloses Getier verschwinden mit der frostigen Zeit, somit wird auch die Nahrung der Stachelritter knapper.
Für Sie bedeutet dieses, dass auch die herbstliche Zufütterung mit Igel-Futter aufhören sollte. Wenn Igel noch genügend Nahrung durch Ihre Fütterung finden, dann verpassen Igel möglicherweise den richtigen Zeitpunkt für einen monatelangen Winterschlaf.
Es gibt aber Ausnahmen. Wenn Sie im tiefsten Winter einen Igel in Ihrem Garten herumstreifen sehen, dann sollten Sie stutzig werden. Normalerweise verlassen Igel ihr Winterquartier nicht vor dem Frühling. Wenn sich ein Igel im Winter vor die Tür traut, dann hat er Probleme und ist wahrscheinlich geweckt worden, krank, verletzt oder direkt vom Hungertod bedroht.
Solch einem Igel sollten Sie helfen. Als erste Maßnahme dürfen Sie ihm gerne Futter anbieten. Der Igel wird sich hoffentlich gründlich satt essen, eine dicke Fettschicht aufbauen und wieder in den Winterschlaf gehen.
Meistens hat ein im Winter aufgeweckter Stachelritter aber weitere Probleme. Diese Tiere brauchen professionelle Unterstützung durch einen Tierarzt oder eine Igelpflegestation. Lassen Sie sich bitte fachgerecht beraten.
Ihren stacheligen Vierbeinern im Garten ganzjährig Igel-Futter anzubieten, scheint auf den ersten Blick sinnvoll. Man freut sich über die abendlichen Besuche, kann das rege Treiben am Futterplatz mit seinen Kindern beobachten und tut etwas Gutes für das Überleben dieser kecken Tiere. Unter bestimmten Umständen ist eine Zufütterung vollkommen in Ordnung, aber bitte nicht das ganze Jahr über.
Im Spätwinter aus einem monatelangen Winterschlaf zu früh aufgewachte Igel finden häufig noch zu wenig Nahrung. Die Natur ist noch nicht erwacht, das Insektenleben dämmert auch noch vor sich hin und es ist viel zu kalt. Wenn Sie also im Spätwinter einen Igel herumirren sehen, dann dürfen Sie diesem gerne mit Futter und einem wärmenden Schlafplatz aushelfen.
Die Vorbereitung zum Winterschlaf besteht hauptsächlich aus Fressen. Dadurch bauen sich Igel ein dickes Fettpolster auf, von dem sie über den Winter zehren. Es ist aber möglich, dass ein junger Igel seine Reserven bis zum Wintereinbruch noch nicht genügend auffüllen konnte. Diesem Tier können Sie beim Aufbau eines Fettpolsters helfen, indem Sie ihm Futter geben.
Wenn Sie eine Futterstelle für Igel in Ihrem Garten aufstellen, dann müssen dieses fachlich korrekt machen. Auch andere nächtliche Besucher lieben dieses Igel-Futter. Marder, Katzen, Füchse, aber auch Mäuse und Ratten werden von dieser Köstlichkeit magisch angelockt. Neuerdings kann man an manchen Orten Deutschlands auch Marderhunde und Waschbären antreffen. Deshalb müssen Sie sich schlau machen, wie eine gute Futterstation aufgebaut werden sollte. Oder Sie kaufen sich ein professionell und fachgerecht hergestelltes Igelhaus.
Wir möchten Ihnen, gerade aus Tierliebe, auch die Nachteile einer Zufütterung mit Igel-Futter nennen.
Igel sind sehr bequem und äußerst verfressen. Das dürfen sie auch sein bei einem mehrmonatigen Winterschlaf. Das Problem dabei ist: Wenn Sie diesem Schlemmermaul immer wieder Futter geben, dann wird er sich nur noch auf Ihre Futterstation konzentrieren. Auch wenn es noch so süß ist, dass Ihr Gartengast allabendlich am Futterplatz wartet, er sollte doch selbst auf Nahrungssuche gehen.
Dieses gilt insbesondere für Jungigel. Wenn sie lange leben wollen, dann müssen sie das Jagen und die Nahrungssuche erlernen. Ein Igelhaus mit reichlich Futter, das der Kleine nicht mehr ausgraben muss oder das nicht mehr weglaufen kann, hilft ihm nicht. Er wird nur abhängig von dieser Futterquelle und muss darauf vertrauen, dass es immer gut gefüllt ist.
Ein Igel weiß instinktiv, was er an Nahrung für ein gesundes Leben benötigt. Und das holt er sich anhand von Insekten, Regenwürmern und Schnecken direkt aus der Natur. Igel-Futter sollte nur als Zufütterung dienen. Denn es kann ein natürliches Nahrungsangebot mit auf die Bedürfnisse von Igeln abgestimmten Futterinhaltsstoffen nicht vollständig ersetzen.
Igel sind Einzelgänger und ziemlich egoistisch, wenn es um Futter geht. Eine Futterstelle ist natürlich für jeden Igel in der Umgebung verlockend. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sie sich am Futterplatz treffen. Stressige Raufereien mit Artgenossen sind dann unvermeidlich. Und dass kleinere, jüngere und schwächere Igel den Kürzeren ziehen, sollte klar sein. Wer gewinnt ist der sowieso schon gut genährte Altigel.
Damit Sie bei der Fütterung von Igeln in Ihrem Garten keine unangenehmen Überraschungen erleben, sollten einige Dinge beachtet werden.
Selbstverständlich können Sie in Ihrem Garten eine einfache Futterstelle für Igel in Form eines Napfes oder einer Schale einrichten. Bei der Wahl eines geeigneten Napfes sollten Sie darauf achten, dass er von den fressenden Igeln nicht umgeschmissen werden kann. Der Napf muss schwer und flach sein, Keramik eignet sich dafür sehr gut.
Stellen Sie den Napf an einer geschützten Stelle im Garten auf, zum Beispiel unter einem Gebüsch. Um die Stelle einfach reinigen zu können, legen Sie mehrere Lagen Zeitungspapier großzügig unter den Napf und beschweren Sie die Ecken. Der mit Igel-Futter gefüllte Napf wird am Abend aufgestellt und am nächsten Morgen wieder entfernt. Den Napf und den Fressplatz gründlich reinigen. Da Igel nachts unterwegs sind, brauchen Sie tagsüber kein Futter anzubieten, das würde nur ungebetene Gäste anlocken.
Apropos ungebetene Gäste: Das ist ein sehr wichtiges Thema und entscheidet über die Art der Futterstelle. Es gibt sehr viele andere Tiere außer Igel, die ein solches Futter auch lieben. Auch andere nächtliche Besucher wie Marder, Katzen, Füchse, aber auch Mäuse und Ratten werden von dieser Köstlichkeit magisch angelockt. Neuerdings kann man an manchen Orten Deutschlands auch Marderhunde und Waschbären antreffen.
Wenn Sie befürchten, andere Gäste durch die Igelfütterung mit einem Napf anzulocken (oder zum Beispiel sogar schon Ratten gesehen haben), dann benötigen Sie eine geschütztere Futterstelle. Diese können Sie aus Plastik‑, Holzkisten oder aus Backsteinen einfach selber bauen. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Schneiden Sie in eine Seite der Kiste ein rundes oder eckiges Eingangsloch von 10 x 10 cm (am oberen Rand der Kiste, die Kiste wird ja umgedreht). Richten Sie die Futterstelle mit Napf, wie oben beschrieben, ein und setzen Sie die Kiste umgedreht auf die Futterstelle. Beschweren Sie die Kiste mit einem schweren Gegenstand (Stein, Holzklotz oder Ähnliches), damit die Kiste nicht umgeschmissen wird.
Noch sicherer ist es, wenn die Kiste innen mit einem ca. 12 – 14 cm breiten Gang versehen wird. Der Gang beginnt am Eingang und reicht bis zur gegenüber liegenden Kistenwand. Dort wird eine rechtwinklige Öffnung in das Innere der Kiste freigelassen. Igel können so ohne Probleme in die Kiste gelangen, für die meisten anderen Tiere wird das Futter somit unerreichbar.
Wenn Sie allerdings Ratten am Futter bemerkt haben, dann sollten Sie entweder das Futter nur anbieten, wenn Sie die Futterstelle selbst beobachten. Oder Sie verwenden eine Futterkiste mit Rattenklappe. Auch diese können Sie einfach selbst anbringen.
Alternativ können Sie sich eine professionell und fachgerecht hergestellte Futterstation kaufen.
Sie haben einen kleinen, untergewichtigen Igel gefunden, vielleicht sogar noch mit geschlossenen Augen? Dann sollten Sie handeln – aber bitte nicht vorschnell. Es gibt einige Dinge zu beachten. Denn möglicherweise benötigt dieser Igel gar keine Hilfe von Ihnen. Es ist entscheidend, was für ein Gewicht ein Igel zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr hat.
Was Sie dazu wissen sollten: Der Igel-Nachwuchs kommt nach einer Tragzeit von ca. 35 Tagen im August bis September zur Welt. Zu dieser Zeit sind sie noch vollständig auf die Versorgung durch die Igelmutter angewiesen. Sie ernähren sich von der Muttermilch, und erst allmählich kommt auch feste Nahrung dazu. Bis zu einem Gewicht von ca. 200 Gramm werden sie noch gesäugt. Etwa Ende September gehen sie, noch in Obhut ihrer Mutter und mit ihren Geschwistern, in der Natur auf ihre erste Nahrungssuche.
Jüngere Igel nutzen bis zum Frost noch jede Gelegenheit, um dick und fett zu werden. Es ist aber möglich, dass ein junger Igel seine Reserven bis zum Wintereinbruch noch nicht genügend auffüllen konnte. Ein junger Igel sollte Anfang November ein Gewicht von mindestens 500 Gramm besitzen, um den Winter zu überstehen.
Wenn Sie nun im Herbst einen Igel gefunden haben, der ohne Mutter unterwegs ist (suchen Sie nach der Mutter und den Geschwistern) und unter 200 Gramm wiegt, dann benötigt dieser kleine Stachelritter Ihre Unterstützung. Gleiches gilt für Igel, die Mitte Oktober noch keine 400 Gramm wiegen und Anfang November die 500 Gramm noch nicht erreicht haben.
Nun ist es an Ihnen, dem Igel eine Erstversorgung zu geben. Aber alles was über die erste Hilfe hinaus geht, sollten Sie einem professionellen Igelkundigen, zum Beispiel einem Tierarzt oder einer Igelstation überlassen. Denn solch eine Versorgung ist sehr anspruchsvoll.
Was dieser Igel zuerst braucht, ist ein warmer Unterschlupf. Bereiten Sie ihm eine kleine Box vor, die Sie mit Zeitungspapier auslegen. In diese Box legen Sie eine in Handtüchern eingewickelte Wärmflasche und setzen den Igel hinein. Der Igel wird zusätzlich mit Zeitungspapier zugedeckt. Wenn die Box dunkel verschließbar ist, dann ist das gut. Ansonsten sollten Sie noch einen umgedrehten Karton als Schlafplatz anbieten.
Jetzt geht es an die erste Nahrungsversorgung. Unbedingt vermeiden sollten Sie die Fütterung von Milch und Milchprodukten, Obst und Gemüse. Bedenken Sie beim Füttern, dass Igel keine Vegetarier sind — in der Natur ernähren sie sich von Insekten oder Schnecken. Am besten ist die Fütterung mit speziellem Igel-Futter, das Sie käuflich erwerben können. Sie können den Igel aber auch mit Katzen- oder Hundefutter (darauf achten, dass es ohne Soße, Reis, Gemüse ist) oder ungewürztem Rührei füttern. Zum Trinken bitte ausschließlich Wasser bereitstellen.
Ist der Igel zu klein oder zu schwach, um selbständig fressen zu können, dann müssen Sie aushelfen. Bereiten Sie wirklich kleinen Igeln (möglicherweise haben sie ihre Augen noch nicht geöffnet) eine breiartige und lauwarme Futtermischung aus hartgekochtem Eigelb, Öl und Kümmel- bzw. Fencheltee zu. Igelmilch werden Sie nicht haben, es gibt aber Milch für Hundewelpen zu kaufen. Diese darf dem Brei ebenfalls zugegeben werden. Bei größeren Tieren können Sie den Brei auch mit Hunde-/Katzenfutter oder eingeweichtem, zerkleinertem Igel-Futter anreichern. Füttern Sie den Igel, indem Sie ihm den Brei mit einer kleinen Einmalspritze direkt in den Mund geben.
Worauf Sie unbedingt noch achten sollten, ist, ob Ihr Igel von Parasiten befallen ist. Die Entfernung von Zecken sollten Sie Experten überlassen. Aber Fliegeneier und Maden müssen Sie unbedingt entfernen.
Es ist in aller Munde und hat dramatische Ausmaße angenommen: das Insektensterben. Weltweit verschwinden immer mehr Insektenarten. Auch die Massen an Insekten einer Art (die so genannte Insekten-Biomasse) nimmt rapide ab.
Die Ursachen sind hauptsächlich in der landwirtschaftlichen Intensivierung zu suchen. Es werden zu viele Gifte und Dünger eingesetzt, die Ackerflächen nehmen riesige Ausmaße an, naturnahe Flächen (Feuchtwiesen, Moore, Hecken, Brachflächen) und extensiv genutzte Flächen (Wiesen, Weiden, Grünland) werden zerstört und zu intensiv genutztem Ackerland umfunktioniert. Dadurch werden Insekten getötet und ihnen der Lebensraum genommen. Aber auch der Klimawandel mit heißeren und trockneren Sommern begünstigt das Insektensterben.
Das hat weitreichende Folge für alle Tiere, die sich hauptsächlich von Insekten ernähren. Ihnen wird die Nahrungsgrundlage entzogen. Dazu gehören zum Beispiel Singvögel, Spitzmäuse, Amphibien und natürlich auch der Igel.
Igel ernähren sich glücklicherweise nicht nur von Insekten. Doch der Speiseplan wird durch das Fehlen an Insekten selbstverständlich stark eingegrenzt, was dem Igel nicht zugutekommt. Wenig abwechslungsreiche Kost aus Würmern und Schnecken kann beim Igel zu Erkrankungen und starkem Parasitenbefall führen.
Grundsätzlich wird sich eine Igelpopulation bei Nahrungsmangel verringern und auf einem niedrigeren Level einpendeln. Das heißt, es werden in einem Gebiet zwangsläufig weniger Igel vorhanden sein. Diese werden aber, der Menge an vorhandenem Futter entsprechend, ausreichend gut versorgt sein.
Wie sich die Situation in Zukunft weiter entwickeln wird, ist unklar. Was für Sie bedeutend ist: Sie können Ihren Stachelfreunden hauptsächlich damit helfen, indem Sie den Insekten helfen! Denn viele Insekten bedeutet genügend Nahrung für Igel.
Beginnen Sie in Ihrem eigenen Garten – machen Sie ihn insektenfreundlich. Pflanzen Sie viele blühende Blumen, Büsche, Sträucher, Gehölze und Bäume an. Sorgen Sie für eine große biologische Vielfalt an Pflanzen und weiteren Struktur-Elementen in Ihrem Garten (z.B. einen Gartenteich, Trockenmauer, Reisighaufen, Steingarten). Ein bisschen Unordnung stört Niemanden. Lassen Sie Laub und Reisig an bestimmten Bereichen liegen.
Wenn Sie unbedingt Ungeziefer bekämpfen müssen, dann sollten Sie mechanisch und physikalisch wirkende Mittel oder nur biologische Pflanzenschutzmittel nehmen. Verwenden Sie nur Pflanzenschutzmittel, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt. Und am besten ist es, Sie verzichten ganz auf chemisch-synthetische Gifte.
Viele weitere nützliche Tipps, wie ein Garten insektenfreundlich – und somit auch igelfreundlich – gestaltet werden kann, finden Sie weiter unten in diesem Beitrag.
Igel lieben einen chaotischen Garten – viele Menschen allerdings nicht. Jedoch sind Igel sehr wichtige und nützliche Helfer im Garten. Haben Sie schon einmal einen Igel mit Genuss eine Schnecke vertilgen sehen? Oder eine dicke Käfer-Larve? Dann werden Sie sich für Igel begeistern – denn Schnecken und Engerlinge sind unerfreuliche Schädlinge im Garten.
Doch was können Sie tun, um Ihr grünes Paradies igelfreundlich zu gestalten? Hier haben wir für Sie einige nützliche Tipps gesammelt, um Ihren Garten mit einfachen Mitteln und wenig Aufwand naturnah zu gestalten. So werden sich nicht nur Igel, sondern auch viele andere Nützlinge in Ihrem Garten wohl fühlen.
Igel werden Ihren Garten lieben, wenn die Zugänge nicht versperrt sind, die kleinen Gesellen genügend Nahrung finden und ausreichend Versteckmöglichkeiten für den täglichen Schlaf sowie die lange Winterzeit vorhanden sind. Außerdem sollten die Igel nicht Gefahr laufen, sich in Ihrem Garten zu verletzen oder sogar getötet zu werden.
Da Igel nachtaktiv sind, benötigen sie tagsüber Rückzugsmöglichkeiten. Der Winter stellt nochmal besondere Ansprüche an die Schlafplätze. Sie müssen vor den Unbilden des Wetters schützen, Wärme liefern und Sicherheit vor Feinden bieten. Doch was sind die besten Rückzugsorte in Ihrem Garten?
In den wärmeren Jahreszeiten sind Hecken, Büsche und Sträucher mit tief herabhängenden Ästen ausreichende Quartiere. Das darunter liegende Laub kann als Auspolsterung der Igelnester dienen. Je nach Größe Ihres Gartens können Sie einzelne Sträucher und Büsche oder größere Hecken anpflanzen. Diese dienen Ihnen gleichzeitig als Sichtschutz, Schattenspender oder Gartenabgrenzungen.
Sie sollten bei der Anpflanzung von Gehölzen darauf achten, dass Sie einheimische Pflanzenarten verwenden. Besonders eignen sich Eberesche, Buchenarten (Hain‑, Rot- und Blutbuche), Feuerdorn, Hartriegel, Haselnuss, Holunder, Holzapfel, Kornelkirsche, Liguster, Pfaffenhütchen, Strauchmispel, Schneeball, Weißdorn oder Wildrose. Dornige, stachelige Pflanzen bieten dem Igel gleichzeitig Schutz vor Räubern wie Hunde und Füchse.
Im Winter werden Ansammlungen von Laub, Reisig oder Ästen, lockere Stein- und Holzstapel und selbst Komposthaufen gerne als Platz für den Winterschlaf genutzt. Andere, künstlich geschaffene Plätze hinter bzw. unter Platten, Brettern, Wellbleche und EU-Paletten bieten ebenfalls gute Verstecke. Also, wenn möglich bitte nicht wegräumen.
Wollen Sie einen Unterschlupf aus Laub einrichten? Dann legen Sie mehrere Holzscheite so kreuzweise auf den Boden, dass eine Höhle entsteht. Der Hohlraum sollte ca. 30 cm³ groß und mit Holz dachartig abgedeckt sein. Über diese Konstruktion können Sie nun Reisig, Laub und Äste aufschichten. Achten Sie auf einen schattigen Standort. Sonst könnten die ersten wärmenden Sonnenstrahlen dazu führen, dass der Igel vorzeitig aus seinem Winterschlaf aufwacht.
Einen ähnlichen Unterschlupf können Sie auch mit Steinen bauen. Der Steinhaufen muss eine ausreichend große Öffnung für Igel haben (ca. 10 x 10 cm) und im Innern genügend Platz bieten. Dafür schaffen Sie zuerst eine Höhle mit Dach aus großen Steinen. Drüber schichten Sie weitere Steine.
Unser Igel-Freund Max Karänke hat eine wunderbare Anleitung zum Bau eines Igelhauses erstellt. Weil wir von der Agrinova dieses praktische Igelhaus und auch das Engagement von Max unterstützen möchten, haben wir hier für Sie den link zur Bauanleitung: Ein Igelhaus bauen — Igelretter werden in nur 4 Schritten. Sie sehen wie leicht es ist, der Natur Gutes zurückzugeben.
Dort wo viele Insekten, Würmer, Schnecken und andere Bodenlebewesen leben, da finden Igel einen reich gedeckten Essenstisch. Besonders ergiebige Nahrungsquellen sind Blumenwiesen, das Erdreich unter Büschen / Hecken und – nicht zu vergessen – gut zugängliche Komposthaufen.
Erhöhen Sie die Artenvielfalt in Ihrem Garten! Vielleicht entscheiden Sie sich, Rasenbereiche in einen schönen Blumenrasen umzuwandeln. Möglicherweise pflanzen Sie wunderbar blühende Büsche und Sträucher an. Errichten Sie einen Komposthaufen. Sie haben viele Möglichkeiten, die Vielfalt an Tierarten selbst mit kleinen Vorhaben zu fördern.
Selbst die igelfreundlichste Gartengestaltung bringt wenig, wenn Sie Ihren Garten komplett abgesperrt haben. Igel können nicht fliegen. Deswegen müssen sie Durchlässe haben, um in Ihren Garten zu gelangen.
Entscheiden Sie sich für Gartenabgrenzungen aus Hecken oder für Gartenzäune, die nicht bis zum Boden reichen. Alternativ können Sie einzelne Durchschlupfe schaffen. Ausreichend große Löcher in Gartenzäunen helfen schon sehr viel. Hierbei gilt die Faustregel: die Größe der Öffnung sollte der Faust eines Erwachsenen entsprechen (das sind etwa 10 cm). Andere Hindernisse wie Treppenabsätze können mit Zwischenstufen barrierefrei gemacht werden. Igel können Hindernisse von 15–20 cm überklettern.
Ein Garten birgt viele Gefahren für Ihre stacheligen Freunde. Meistens sind es die Menschen selbst, die dem Igel aus Unachtsamkeit Schaden zufügen.
Heutzutage kommen immer mehr elektrische Geräte zur Gartenpflege zum Einsatz. Automatisch fahrende Rasenroboter, Rasentrimmer, Fadenschneider, Messerschneider, Laubsauger, Laubbläser oder Motorsensen – es gibt viele elektronische Gartenwerkzeuge, die Igel verletzen oder töten können und deren Lebensraum negativ beeinflussen.
Deshalb gilt für Sie: arbeiten Sie achtsam! Vergewissern Sie sich vorher, ob nicht vielleicht doch ein Igel unter Ihrer Hecke schläft. Kontrollieren Sie hohes Gras, Laubhaufen oder verwachsene Bereiche im Voraus auf Igel. Benutzen Sie zuerst einen Laubrechen, bevor die eigentlichen Schneidarbeiten beginnen. Ein Rasenroboter sollte bestenfalls nur tagsüber genutzt werden, wenn sich Igel zurückgezogen haben.
Von Ihnen aufgeschichtete Laub- und Reisighaufen sollten erst entfernt werden, wenn Sie sichergestellt haben, dass keine Igel darunter schlafen. Entweder entsorgen Sie Schnittgut sofort, oder Sie sollten die Haufen vorher inspizieren bzw. bis zum nächsten Frühjahr liegen lassen. Wenn Sie einen Igel entdeckt haben, bitte nicht stören und den Haufen wieder schließen. Auch beim Verbrennen solcher Haufen müssen Sie bitte unbedingt vorher prüfen, ob kein Igel (oder andere Tiere) darunter schläft.
Komposthaufen müssen immer wieder einmal umgeschichtet werden. Da der Kompost gerne von Igeln als Quartier genutzt wird, müssen Sie bei der Arbeit (insbesondere mit Grabegabel, Grabeforke und Schaufel) vorsichtig sein. Sonst verletzen oder töten Sie den schlafenden Stachelritter.
Und der Ordnung halber: lassen Sie doch einfach ein bisschen Laub unter Hecken, Büschen und am Rand liegen. Ihr Garten muss nicht perfekt sauber sein. Das Laub ist für Igel äußerst wichtig als Material zur Auspolsterung der Unterschlupfe.
Bestimmte Elemente im Garten können für Igel tödliche Fallen sein. Insbesondere Gartenteiche, Gartenweiher oder Swimmingpools, Schwimmbecken stellen eine Gefahr dar, auch wenn Igel schwimmen können. Wenn die Ufer zu hoch und steil sind, dann ist die Gefahr groß, dass sie hineinfallen und ertrinken. Daher sollten Sie Ihre Teiche igelsicher machen. Am sinnvollsten ist die Umzäunung Ihres Teiches. Falls Sie dieses nicht möchten, installieren Sie eine Rampe als Ausstieg am Ufer. Dadurch können Igel aus den Teichen heraus klettern. Schwimmbecken werden mit einer Ausstiegsrampe ebenfalls igelsicher. Oder Sie decken Ihren Pool nachts mit einer Plane ab.
Tiefe Lichtschächte oder Kelleraußentreppen können tödliche Fallen sein. Igel können dort hineinfallen, und kleinere Igel können Treppenstufen noch nicht heraufklettern. Sie verletzen sich beim Sturz oder verhungern, verdursten. Eine Lösung ist die Abdeckung von Schächten mit Gittern. Auch Ausstiegsrampen können dem Igel helfen, sich wieder zu befreien. Höhere Treppenstufen können Sie mit kleineren Zwischenabsätzen überwindbar machen.
In Ihrem eigenen Garten werden Sie sicherlich darauf achten, dass kein Müll herumliegt. Aber allgemein ist es vielen Menschen scheinbar egal, dass Abfälle in der Natur entsorgt werden. Solcher Müll kann nicht nur für Igel, sondern für alle Wildtiere gefährlich sein. Sie können sich in Schnüren, Bechern, Dosen, Verpackungen, Netzen oder Glasscherben verletzen, verfangen oder stecken bleiben.
Vermeiden Sie bitte jegliche Vermüllung unserer Natur – zum Wohl der Tiere aber auch zum Wohle des Menschen.
Igel sind wunderbare Schädlingsbekämpfer, wenn es um Pflanzenschutz geht. Vielen Gartenliebhaber ist dies nicht bekannt. Sie verlassen sich lieber auf andere Pflanzenschutzmittel (Pestizide) und Dünger, um den Garten vor Schädlingen zu verteidigen und gesunde Pflanzen zu bekommen. Allerdings sollten chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger vermieden werden. Sie schaden der Tierwelt unverhältnismäßig stark. Es gibt biologische, natürliche Alternativen. Diese besitzen bei fachgerechter Anwendung gleiche Effekte und schaden der Natur viel weniger.